Nachlese einer eindrucksvollen außerordentlichen Mitgliederversammlung
Mitgliederversammlung zur Abstimmung darüber, ob die SG Dynamo Dresden e.V. ab Juli 2026 wieder alleiniger Besitzer seiner Fanshop-Vermarktung – im Sinne der Übernahme der restlichen 50% Gesellschafteranteil an der Dynamo Dresden Merchandising GmbH – sein soll oder nicht. Laut Satzung benötigten die Initiatoren zur Einberufung einer außerordentlichen Mitgliederversammlung dafür 400 Unterstützungsunterschriften. 1.200 Unterzeichnungen lagen letztendlich vor. Eine Tatsache, welche in der medialen Berichterstattung in Vorbereitung der Mitgliederversammlung keine Würdigung erhielt. Das Begehren wurde satzungsgemäß beim Präsidium eingereicht, gemeinsam mit diesem in einen entsprechenden Antrag ausformuliert und die Mitglieder satzungsgerecht zur AOMV geladen. Eine bemerkenswerte Zahl von über 800 Vereinsmitgliedern folgte dem Ruf des Präsidiums am Sonntagnachmittag.
Die Eröffnung einer Dynamo-Mitgliederversammlung erfolgt in den letzten Jahren immer mit einem emotionalen Imagevideo, welches unsere Tradition und unsere Gemeinschaft betont und mit dem Satz „Wir haben einen Traum“ ausklingt. So, gemeinschaftlich eingeschworen, soll der Fokus der anwesenden Mitglieder auf das gerichtet werden, worum es an diesem Tag ausschließlich geht – UNSEREN Verein!
Die Antragsteller erhielten die Möglichkeit zu begründen, warum der Verein die restlichen 50% Anteile von der mit der Egocentric GmbH gemeinsam geführten Dynamo Dresden Merchandising GmbH – kurz: dem „Fanshop“ – zurückkaufen sollte. Und diese Möglichkeit nutzten die Antragsteller in Person von Peter Gessler, visuell unterstützt durch eine von ihnen selbst sehr gut aufbereiteten Bildschirm-Präsentation. Er umriß noch einmal den Werdegang, warum der damalige Geschäftsführer Stefan Bohne den bis dahin vereinseigen geführten Fanshop aus dem Verein ausgliedern mußte. Der Grund war damals die schon seit Jahren bestehende bilanzielle Überschuldung des Vereins bei welchem u.a. auch die Verbindlichkeiten aus dem Wareneinkauf des Fanshops zur Verweigerung der Lizenz hätte führen können. Bei der Übertragung an einen Dienstleister wurden aber sehr vorausschauend auch Modalitäten der Rückübertragung vertraglich fixiert. Aufbauend darauf entwickelten spätere Geschäftsführer, dort speziell Robert Schäfer 2015, einen „Fahrplan“ zum vollständigen Rückkauf des Fanshops bis zum Jahr 2020. Erst nach Thematisierung auf der Mitgliederversammlung 2022 erfolgte im Jahr 2023 der Rückkauf der ersten 50% Geschäftsanteile. 2023 und 2024 war der Fanshop immer wieder Thema auf den Jahresversammlungen des Vereins. Ernsthafte Aktivitäten jedoch waren auch seitens der neuen Geschäftsführer nicht erkennbar. Im weiteren Verlauf des Vortrages wurden Details wie Vertrauensmißbrauch über Verschleppung, sittenwidrige Vertragsgestaltung bis hin zu gezielter (manipulativer?) Meinungsbildung gegen einen zügigen Rückkauf benannt und entsprechend emotional dargelegt. Für einige öffneten sich Abgründe aus längst vergangenen dunklen Zeiten der Dynamogeschichte. Den Abschluß bildete das Erinnern daran, was die Dynamofans- und Mitglieder erreichen können, wenn sie konsequent und gemeinsam ein Ziel verfolgen. Die Erfolgsgeschichten vergangener Zeiten wie der Rückbenennung zur SGD, des Stadionneubaus und der Vereinsentschuldung sendeten ihre Grußbotschaften durch den Saal und die Präsentation gipfelte dramaturgisch in einen Martin Luther King – „I have a dream“ – Moment.
Sogar die Alten riß es buchstäblich von den Sitzen, um dem dynamischen, aktiven „Jungvolk“ für ihr Agieren und das authentische Beschwören des alten Dynamo-Geistes stehend zu applaudieren. Kenner des Vereins wußten, daß man danach nur noch formell seine grünen Kärtchen in die Wahlurnen hätte werfen müssen, um sich danach gemeinsam auf ein Bierchen zum Plausch über Fußball, Gott und die Welt zu verkrümeln. Die Geschäftsführung durfte selbstverständlich ihre Beweggründe und Bedenken gegen den sofortigen Rückkauf (Juni 2026) und Argumente für eine Verschiebung auf das Jahr 2028 vortragen. Wovon sie in persona von Geschäftsführer David Fischer auch ausgiebig Gebrauch machte. Die Bedenken und vor allem Ängste waren alle bereits durch den Anfang März abgehaltenen Stammtisch und mehr noch, durch üppig lancierte mediale Berichterstattung bekannt. Insofern erfuhren zumindest die bereits informierten Mitglieder nichts wirklich Neues. Bei der anschließenden ausgiebigen Aussprache und Fragerunde ging es ziemlich direkt zur Sache. Vieles wurde hinterfragt, einige Argumente für vertragliche Sicherheiten bei späterem Rückkauf sogar ins Wanken gebracht. Die Geschäftsführung aber auch der Aufsichtsrat hatten keinen leichten Stand im Saal. Natürlich gab es auch die Statements, in denen sich Mitglieder argumentfrei, in totaler Selbstaufopferung und mit bedingungslosen Loyalitätsbekundungen verbal vor ihre Vereinsführung warfen. Das waren dann die Dschungelcamp-Momente dieser Versammlung …
Nach fast vier Stunden erfolgte dann die Abstimmung: 77% der stimmberechtigten 777 Vereinsmitglieder votierten für den Antrag zum sofortigen Rückkauf des Fanshops. Ein deutliches Votum und die vielen „7“ würden in einer Spielhalle in Las Vegas ebenfalls entsprechende Euphorie auslösen.
Fakt ist: Mit dem Votum wird die Gestaltung des Vereinshaushaltes nicht einfacher, vor allem angesichts der Unwägbarkeiten bezüglich städtischem Stadionzuschuß und möglicher Ligazugehörigkeit. Aber der Verein behält weiterhin alles in der Hand, ist aber logistisch und finanzmathematisch härter gefordert. Hier liegt es bei Geschäftsführung, Aufsichtsrat und den Egocentric Leuten, sich den Mund abzuputzen, vorausschauend zu agieren und sich bewußt zu sein, daß es bei Geschäften um und mit dem Traditions- und Erfolgsmodell Dynamo nur miteinander geht. Die Vereinsmitglieder haben dies, selbstbewußt, nachdrücklich aber in der Sache ebenso hart wie fair und demokratisch zum Ausdruck gebracht. Daß die Pressenachlese dieser Versammlung von unseren Protagonisten der regionalen Printmedien natürlich anders gesehen wird, liegt in der Natur der Sache, schließlich beruht deren Geschäftsmodell auf Zwistigkeiten in und um unseren Verein. Sie sollten diesen offen ausgetragenen Kampf um den Rückkauf des Dynamo Merchandising dankend als Beitrag für ihre Arbeitsplatzsicherung betrachten.